Donnerstag, 29. Mai 2014

schallend

könnten wir freunde sein
mit anrufen
und gelächter, schallend, rauchend

könnten wir etwas sein
mit gefühl, mit angst
mit einem wort, das beide bezeichnet

könnten wir kämpfen
wenn kämpfen etwas wollen bedeutet
oder etwas anderes

könnten wir draußen sein
verpackt
oder drinnen, anders

könnten wir, könnten wir 
was wir nicht sind
könnte etwas sein

könnten wir etwas haben
und wenn es das einzige ist
an das wir uns halten, nur eine regel

könnten wir das hier als richtwert festlegen
für den rest der dinge
wir sind der punkt, wo alle geschichten enden

könnten wir etwas schaffen, 
was es nicht gab
könnten wir was finden

könnten wir von null anfangen
frei sein
schnell

könnten wie uns ineinander fallen
schubsen, ziehen, drängen, fliehen, flüchten
sehen

könnten wir noch nicht sein
das hier warten nennen
warte

könnten wir langsame schritte versuchen
andeuten
ausstellen

könnten wir werden
statt könnten
könnten wir sein

Mittwoch, 28. Mai 2014

intakt.


zum glück



seh ich auch nichts, das ich gern sehen möchte,
so seh ich doch, zum glück auf beiden augen
wie eh und je;
und hör ich auch nichts, das ich gern hören möchte,
so hör ich doch, zum glück auf beiden ohren
wie eh und je;
und fühl ich auch nichts, das ich gern fühlen möchte,
so fühl ich doch, zum glück, an allen körperstellen
wie eh und je;
und denk ich auch nichts, das ich gern denken möchte,
so denk ich doch, zum glück, in meinem kopf
wie eh und je;
und steh ich auch nicht, wo ich gern stehen möchte,
so steh ich doch, zum glück, mit beiden beinen
wie eh und je;
und nehm ich auch nichts, das ich gern nehmen möchte,
so nehm ich doch, zum glück, mit beiden händen
wie eh und je;
und wenn, vor der vergeblichkeit von allem,
mich grauen packt, so bin ich doch, zum glück,
intakt wie eh und je. 

(ernst jandl)

Mittwoch, 21. Mai 2014

so wieder leben

ich bin gekommen, um zu kentern und mich wieder aufzurichten, um jede krankheit einmal zu haben, um nächte wach zu sein und tage zu verschlafen, ich bin gekommen, um jeden tag einmal aus der puste zu kommen, ich bin gekommen, um mal zu jedem arzt zu gehen, ich bin gekommen, um jeden schmerz einmal zu fühlen, ich bin auch gekommen, um mich über jede ungerechtigkeit 90 sekunden lang aufzuregen, ferner bin ich dazu gekommen, zu singen, weil ich es gerne mache, ich bin gekommen, zu rennen, weil ich es kann, ich bin gekommen, um zu schreiben, weil ich einen kopf habe, ich bin gekommen, um zu lesen, weil es andere köpfe gibt, ich bin gekommen, um eine welt zu ergründen, die unergründlich ist, aber von der menschheit als ergründbar vorgestellt wird (so tue ich, als nähme ich sie ernst, die wissenschaft, ja, ja, das war die und die epoche und ihre merkmale sind folgende und das war der autor und der steht für politische lyrik, ich nicke das ab, ich verstehe, wie die menschen alles verstehen wollen, wie man will, dass man über viele jahre ein kapitel in einem buch schreiben kann, was 2004 erscheint), und vor allem bin ich gekommen, um von nichts irritiert zu sein, um niemals zu denken, so ist die welt, so ist die zeit, so ist mein herz, so ist mein wille, so ist gott, so sind die menschen, ich bin gekommen, um alles kennenzulernen, von jeder seite zu betrachten, ich bin gekommen, um die wahrheit auszusprechen, die ich für aktuell erachte, wissend, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, wissend, das glauben das einzige ist, was mir bleibt, ich bin gekommen, ich bin gekommen, um zu jemandem zu werden, der denkt und etwas beiträgt, jemand, der die welt gestaltet, wenn auch nichts neues, immerhin etwas, aus dem, was die welt mir anbietet oder vielmehr, was ich mir von ihr nehme, wie gesagt, ich bin gekommen, um zu lesen, mir dadurch zu nehmen, was ich wissen muss, was ich fühlen muss, zu ergründen, was vor mir gedacht wurde, was neben mir gedacht wird, ich denke immer öfter, man muss nur ein buch gelesen haben, um zu verstehen, das alles delikat ist, heilig und hochkomplex und dass wir alle uns ähneln und uns alle unterscheiden, man muss nur ein buch lesen, oder eine reise machen, man muss nur einmal die augen aufmachen und aufhören, eine meinung zu haben (als könne man eine meinung haben) oder ein bild oder ein prinzip, dann würde man anfangen, vielleicht, statt sich selbst in einem anderen, ein gegenüber sehen zu können, ein leben, man würde den anderen als folge suchen und man würde dem anderen in folge näher kommen, man würde sich währenddessen und wie nebenbei selbst näher kommen und man würde größer werden können, wahrer, mutiger, entschlossener und man würde, jeder für sich, zu einer sammlung an menschen, büchern, orten, ideen und gefühlen werden können, die es dem, der dich ansieht, ermöglicht, in dir zu lesen, in dir zu reisen, in dir zu wachsen, es könnte ein universum enstehen aus zwei sammlungen, die sich suchen und begegnen, in harmonie und streit, es könnte daraus werden eine menge, eine ebene, eine verdichtung von vielfalt und verständnis, nicht nur oberflächlicher art, sondern verständnis für das leben, um das zu lernen, um so zu werden, bin ich gekommen.

Donnerstag, 15. Mai 2014

ersagtesbesseralsich

Ich weiß nicht, was aus mir werden soll, ich kann jetzt nicht an solche Sachen denken.
Was gut ist, wissen wir, es steht in den Geboten. Aber Gott ist nicht nur in den Geboten, sie sind nur der kleinste Teil von ihm. Du kannst bei den Geboten stehen und kannst weit von Gott weg sein.
Das Ziel ist dies: mich immer dahin zu stellen, wo ich am besten dienen kann, wo meine Art, meine Eigenschaften und Gaben den besten Boden, das größte Wirkungsfeld finden. Es gibt kein anderes Ziel.
Man kann ohne alle Wissenschaft sehr klug sein. 

Hermann Hesse. Narziß und Goldmund. 

Dienstag, 13. Mai 2014

Donnerstag, 1. Mai 2014

vorallemanfang.

















 worte von rilke auf foto.