Dienstag, 28. Oktober 2014

wie früher


ich hab solche momente in denen ich alles fühle, alles, was ich je gefühlt hab
und ich sehe alles, was ich je gesehen hab, so fühlt sich das an, ich fühle die angst, 
auf meiner eigenen hochzeit zu sein, ohne die toten, deine hände, 
die mein gesicht festhalten, 
ich fühle meine siege beim laufen, früher, als ich immer die schnellste war, es war mir ehrlich gesagt peinlich, immer die schnellste zu sein, 
ich fühle, wie ich manchmal gerne eine halbe stunde hätte, um meinen opa in ruhe zu vermissen, ich fühle wie sich in mir alles verdreht bei dem gedanken an all die toten,
 ich fühle scham, ich fühle die not, mich erklären zu müssen, ich fühle den zweifel an der zukunft, als könnte man an etwas zweifeln, was noch nicht ist, 
ich fühle alle nervösität bei allen autofahrten, ich fühle die leere der autobahnen, ich fühle die einsamkeit, wenn alle lachen und ich nicht, nicht, 
weil ich nicht lachen kann, sondern weil ich nicht will,
 ich fühle die traurigkeit, die ich beim lesen habe, die nie einsam ist, 
ich fühle alle traurigkeiten auf einmal, 
ich fühle jede seltsamkeit mit menschen, dieses unwohle gefühl, ich fühle dieses gefühl, was ich in kaufhäusern hab, mir wird heiß und ich hasse mein gesicht, das gefühl, wenn man in hässlicher kleidung shoppen geht und denkt, es bringt doch alles nichts, die mühe lohnt sich nicht, 
ich gebe auf, 
ich fühle, wie mir menschen leidtun und ich fühle, wie ich selbst so werde, schleichend und langsam, kontrollierend, von angst bestimmt, dinge auszusprechen, ich höre alles, was man mir je sagte, wie ehrlich ich sei, wie außergewöhnlich, you rule, 
ich höre auch, wie langweilig ich bin und wie naiv, dass ich mich krampfhaft um echtheit bemühe, ich höre stille, diese ganze stille aus allen nächten und aus allen wäldern, 
ich höre die lauten, dunklen partys, ich spüre, 
wie langsam alles zu grunde geht, und 
wie anstrengend ein lachen ist, 
selbst an weihnachten, 
meistens ist das so, wenn ich musik höre, in der alles enthalten ist, oder in kirchen, in räumen mit hohen decken oder am meer, dann fühle ich alles gleichzeitig nochmal und meine seele scheint zu platzen, weil sie schon vierundzwanzig jahre zusammenhalten muss, 
kennst du das?

Freitag, 3. Oktober 2014

ruhe.

"die hauptsache war, dass man lebte. das war die hauptsache."